FCB-Spielmacher Steffen Hamann kam auf 13, Artlands Holston (l.) nur auf 6 Zähler © imago

Der FCB erzwingt gegen "arrogante" Dragons Spiel 5. Bauermann hofft auf faire Fans, Koch lenkt den Blick auf seine Nullnummer.

Aus dem Audi Dome berichtet Michael Spandern

München - Während das Herz des Bayern wieder schlägt, haben die Artland Dragons das Feuer verloren.

Der souveräne 82:71-Heimsieg (Bericht), mit dem die Münchner ein entscheidendes Viertelfinal-Spiel 5 in Quakenbrück (Do., ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) erzwangen, verschiebt das Momentum klar zum FCB - auch wenn dessen Präsident Uli Hoeneß die Favoritenbürde zu Artland schiebt. (DATENCENTER: Die Playoffs).

Erstaunlicher als die unbedingte Entschlossenheit der Bayern war allerdings die Gleichgültigkeit, mit der die Dragons ihren ersten Matchball vergaben.

FCB raubt das Feuer

Nachdem sie zweimal, zuletzt sogar ohne ihren für Spiel 3 gesperrten Topscorer David Holston, das Heft mit Leidenschaft in die Hand nahmen, traten sie am Dienstag "pomadig" auf, wie Trainer Stefan Koch kritisierte.

Er legte den Finger noch tiefer in die Wunde: "Wir haben das Spiel begonnen, als ob wir in dieser Serie schon irgendetwas erreicht hätten - ein Stück weit arrogant und überheblich - und haben es nicht geschafft, das zu korrigieren."

Verkehrte Welt also, wobei der FCB froh war, in den Körper des Feindes schlüpfen zu können und dessen Feuer zu rauben: "Die Mannschaft hat ihr Herz wiedergefunden", jubelte Coach Dirk Bauermann.

Holston verliert im Dauerdruck die Lust

"Es war klar, dass die Mannschaft eine Reaktion zeigen muss", führte er aus. "Ich war sicher, dass sie das tun würde."

Dabei setzte sie den Hebel vor allem in der Defensive an, hielt Artland bei einer Trefferquote von 40 Prozent bei den Zweiern. (STENOGRAMME: Das Playoff-Viertelfinale)

Besonders Holston, der fünf seiner sechs Würfe verfehlte, verlor alsbald die Lust. "Natürlich haben wir ihm viel Aufmerksamkeit gewidmet, schließlich ist er der Motor seines Teams", stellte Jonathan Wallace bei SPORT1 klar. "D-Greene, Steffen und Basti Doreth waren das ganze Spiel über vor seiner Nase, haben ihn unter Druck gesetzt und jeden Wurf erschwert."

[kaltura id="0_tj1sc24z" class="full_size" title="Die Highlights des Spiels"]

"Das hat auch der Mannschaft geholfen"

Mit Steffen war Kapitän Hamann gemeint, der nicht nur in der Verteidigung gewohnt engagiert zu Werke ging, sondern auch vorne wesentlich zum 19:9-Traumstart beitrug.

"Nach unserem Auftakt-Sieg in Quakenbrück hatten wir vielleicht ein bisschen zu viel Selbstvertrauen und haben Artland zu locker genommen. Aber die beiden Niederlagen haben uns gezeigt, wie wir es nicht machen dürfen", erklärte der Spielmacher bei SPORT1.

Nachdem er in Quakenbrück auf Plakaten als Schauspieler diffamiert wurde, brachte er den Dome mit Zauberpässen, aber auch mit Gesten zum Lärmen: "Das ist mein Wesen, mit Emotionen zu spielen. Das wird immer ganz gut angenommen, und ich denke, dass hat auch der Mannschaft geholfen."

Bauermann hofft auf Fairness beim Showdown

Allerdings blieb in München böses Blut draußen: Weder musste Holston, der an gleicher Stelle Hamann einen Wischer ins Gesicht verpasst hatte Pfiffe hören, noch feindselige Plakate sehen.

"Ich hoffe, dass wir diese Fairness auch in Quakenbrück erleben", hielt Bauermann ein Plädoyer für mehr Herzlichkeit, schob jedoch gleich nach: "Aber darauf kommt es in Spiel 5 nicht an."

Er sehe das vorige Auswärtspiel mit all seinen Widrigkeiten als Vorbereitung an, und Hamann ergänzte: "Wir wissen jetzt, was auf uns zukommt."

Zudem weiß der FCB nun, dass Wirbelwind Holston einzubremsen ist: "Da müssen wir wieder zur Stelle sein", sagte Wallace, dem Bauermann angesichts von 13 Punkten den "Durchbruch" bescheinigte.

Bailey ohne jeden Punkt

Artland-Coach Koch dagegen wunderte sich zwar auch, warum die Rückkehr von Holston - dem Hoeneß vor der Partie sportsmännisch die Hand gereicht hatte - seinem Team nicht geholfen hatte. Er wollte die Pleite aber "nicht daran festmachen".

Stattdessen wies er auf die Nullnummer in seinen Reihen hin: Starter Bryan Bailey, der drei Tage zuvor noch mit 14 Punkten "überragend" aufgetrumpft habe, warf nur dreimal und ohne jeden Erfolg.

Zudem waren die Gäste zu keinem Zeitpunkt in der Lage, FCB-Center Jared Homann zu stoppen, der bereits zur Halbzeit ein Double-Double beisammen hatte und letztlich auf 20 Punkte und zwölf Rebounds kam.

Während Koch nun binnen 44 Stunden die Einstellung seiner Mannen in den Griff bekommen muss, fiebert Bauermann dem Showdown entgegen: "Wir freuen uns auf das Spiel in Quakenbrück. In einem fünften Spiel kann immer alles passieren."

[image id="955e3028-6452-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Weiterlesen