Würzburgs King (r.) kommt gegen ALBA pro Spiel auf 12,7 Punkte und fünf Rebounds © getty

In Berlin schrillen vor dem vierten Playoff-Spiel die Alarmglocken. Geschäftsführer Baldi fordert "maximale Opferbereitschaft".

Von Florian Pertsch

München - Viertelfinale gegen Aufsteiger s.Oliver Würzburg, dazu der Heimvorteil in der beeindruckenden O2-Arena.

Klingt nach einer sicheren Sache für den einstigen Abo-Meister ALBA, doch so einfach ist es nicht.

Ist es eigentlich nie in den unberechenbaren Playoffs der Beko BBL. Und im Fall der Berliner ist es sogar äußerst dramatisch, denn die Hauptstädter stehen vor dem K.o.

In der Best-of-Five-Serie liegen sie mit 1:2 zurück und treten nun den harten Gang nach Würzburg (ab 19 Uhr im LIVESTREAM) zum vierten und vielleicht letzten Spiel an.

"Die Halle wird brennen"

Sollten den "Albatrossen" die Flügel gestutzt werden, dann wäre dies nicht nur aufgrund der Tabellenkonstellation eine faustdicke Überraschung, sondern auch, weil die Berliner in 21 Jahren nur dreimal in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden sind.

"Die Halle wird brennen. Das ist schon wieder ein neuer Höhepunkt in unserer noch jungen Geschichte", prophezeit Würzburgs Geschäftsführer Jochen Bähr.

Selbstverständlich wird die s.Oliver-Arena wieder ausverkauft sein und könnte mit ihrer engen Architektur und den frenetischen Fans erneut zum Faktor werden.

Trainer John Patrick fordert deswegen: "Unsere Fans müssen noch lauter sein als letzte Woche. Wir wollen nicht noch mal nach Berlin fahren."

"Sind auf Augenhöhe mit Berlin"

Auch wenn die Franken in der Serie durch den 91:84-Sieg in Spiel 3 in Berlin in Führung gingen, neigt der Trainer nicht dazu, die Berliner zu unterschätzen (BERICHT: "Albatrosse" mit dem Rücken zur Wand).

"Wir sind auf Augenhöhe mit Berlin, müssen aber wieder zu hundert Prozent konzentriert sein und alles geben, wenn wir am Dienstag eine Chance auf den Sieg haben wollen", gab sich Patrick zurückhaltend.

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Prüfstein könnte zum Stolperstein werden

Bei den Berlinern, die Würzburg vor dem Playoff-Duell zum perfekten Prüfstein in der ersten Runde erklärten, herrscht dagegen Ernüchterung.

"Positives Denken wird nicht reichen", grummelte Berlins Geschäftsführer Baldi in der "Berliner Morgenpost": "Jetzt ist eine ganz tiefe Überzeugung gefragt. Playoff heißt, mit und gegen alle Umstände ? und die können schwieriger nicht sein. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand."

Das letzte Mal, dass ALBA in den Playoffs das frühe K.o. ereilte, war 2010 unter Luka Pavicevic. Damals scheiterte Berlin an den Skyliners Frankfurt, die pikanterweise vom heutigen Berliner Coach Gordon Herbert trainiert wurden.

King verdreifacht seinen Punkteschnitt

Für den Ex-ALBA-Bezwinger Herbert war die Sachlage in Spiel 3 ziemlich eindeutig: "Sie haben mit viel Selbstvertrauen und sehr gut gespielt. Ihr Wille zum Sieg war größer als unserer. Würzburg war defensiv und offensiv besser als wir."

Vor allem offensiv überraschten die Würzburger, die ihre Stärken eigentlich in der extrem aggressiven Verteidigung haben.

Besonders sticht dabei Alex King hervor, der seinen Punkteschnitt gegenüber der regulären Saison mit 12,7 Zählern verdreifacht hat. (DATENCENTER: Die Playoffs)

Auch unter den Körben kommt den Franken ihr bedingungsloser Einsatz zu Gute. Insgesamt steht das Reboundverhältnis nach drei Duellen bei 102 zu 94 für Würzburg, wobei jeweils das Team mit den besseren Reboundwerten das Spiel gewann.

Baldi fordert Opferbereitschaft

Es kommt also auf die Willensstärke an, ein Attribut, das Berlins Geschäftsführer Baldi vor Spiel 4 auch von seinen Akteuren ohne Wenn und Aber fordert.

"Wir müssen die maximale Opferbereitschaft mitbringen, ohne den Kopf zu verlieren. Nur dann können wir die Serie nach Berlin zurückholen."

Dabei hängt vieles auch vom Auftreten des letztjährigen MVP ab, DaShaun Wood, den Herbert quasi als Erfolgsgarant aus Frankfurt mitgebracht hat. Der Spielmacher verkauft sich in den Playoffs unter Wert, deutlicher als sein Punkteschnitt (von 15,4 pro Partie auf 14,0) sank seine Effektivität (von 16,2 auf 11,7).

Gerade in den entscheidenden Momenten stieß er auf Würzburger Granit, als er die Brechstange herausholte. Im vorigen Spiel in Würzburg traf der zum besten Offensivspieler der Liga gewählte Amerikaner nur einen von neun Würfen. Nun muss er nach Individual- auch seine Winner-Qualitäten beweisen.

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