Durch Dick und Dünn: Seit 2001 hat Hamann in Klub oder DBB-Team Bauermann zur Seite © imago

Vor Spiel 4 gegen Artland geißelt Bayern-Trainer Bauermann bei SPORT1 die Anti-Hamann-Plakate. Holston solle kein Hass treffen.

Von Katharina Blum

München - Dass der FC Bayern nicht zu den beliebtesten Teams der Beko BBL in fremden Hallen gehört, dürfte nach Ablauf der regulären Saison auch dem letzten FCB-Profi bewusst geworden sein.

Was aber im Playoff-Viertelfinale gegen die Artland Dragons (DATENCENTER: Die Playoffs) in Quakenbrück über die Münchner hereinbrach, überraschte sogar einen alten Playoff-Routinier wie Bayerns Trainer Dirk Bauermann.

In Spiel 3 (Bericht und Video) bekam Point Guard Steffen Hamann nach seiner Rangelei mit Dragons-Spielmacher David Holston die volle Breitseite der Artland-Fans ab, und die Münchner gerieten in der Serie mit 1:2 ins Hintertreffen.

Vor dem vielleicht entscheidenden Spiel 4 (ab 19.10 Uhr LIVE im TV bei SPORT1) spricht Coach Bauermann mit SPORT1 über die Anfeindungen gegen Hamann und den von der Sperre zurückkehrenden Point Guard Holston. Der neunmalige Meistertrainer erklärt, wie Bayern die Drucksituation gegen die Dragons lösen möchte.

SPORT1: Herr Bauermann, hat Sie die klare Schlappe in Spiel 3 bei den Dragons eher enttäuscht oder eher verärgert?

Dirk Bauermann: Ich würde sagen, wir sind enttäuscht über unsere Leistung, aber verärgert über die Begleitumstände. Der Umgang mit Steffen Hamann war völlig deplatziert, da sind Grenzen überschritten worden. Das ist am Ende legitim, aber geärgert hat es mich trotzdem.

SPORT1: Wie sehr haben diese "Begleitumstände" Steffen Hamann zugesetzt?

Bauermann: Wir haben versucht, ihn vorab auf die Situation vorzubereiten. Aber was kam, das war schon ziemlich starker Tobak. In der ersten Reihe saßen zehn Kinder und haben Schilder mit seinem Bild hochgehalten: "So sehen Vorbilder nicht aus". So etwas geht an niemandem spurlos vorbei. Aber Steffen ist sehr professionell damit umgegangen. Wir haben auch danach natürlich noch über die Situation gesprochen. Ich habe ihm gesagt, dass ich sehr zufrieden mit seiner Leistung bin. Sie war zwar nicht überragend, aber sehr ordentlich.

SPORT1: Nun kehrt Holston zurück in die Serie - und zurück in den Audi Dome. Was wird er für einen Empfang bekommen?

Bauermann: Wir werden eine sportliche und keine polemische Antwort geben. Natürlich wird Artland eine Playoff-Stimmung erwarten, das gehört schließlich dazu. Aber es wird keine Plakate geben: hier kommt der Schläger. Holston ist ein guter Junge.

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SPORT1: Und was bedeutet Holstons Rückkehr aus sportlicher Sicht?

Bauermann: Man kann Artland nur gratulieren, dass sie als Mannschaft auch ohne ihn so gut funktioniert haben. Ich glaube, es hätte sie mehr geschwächt, wenn Holston auswärts gefehlt hätte. Bei Heimspielen lässt sich so etwas, wie man gesehen hat, vor allem über die emotionale Komponente kompensieren. Aber klar ist: Holston ist sicherlich der Dreh- und Angelpunkt des Teams. Wir werden alles daran setzen, ihn in den Griff zu bekommen. Das ist uns bislang nicht gelungen, wir haben jedes Mal 20 Punkte zugelassen. Das ist eindeutig zu viel.

SPORT1: Auch ohne Holston fingen die Münchner in der zweiten Hälfte sechs Dunkings. Das muss einen Coach doch zur Verzweiflung bringen?

Bauermann: Das darf so nicht passieren, das ist klar. Quakenbrück hat einige sehr athletische Spieler, wenn du die nicht konsequent zurückdrängst, lassen Sie dich schnell alt aussehen. Wir haben uns davon vielleicht ein wenig zu sehr beeindrucken lassen. In gewisser Art und Weise war das vielleicht sogar hilfreich, eine Art Warnschuss zur rechten Zeit.

SPORT1: Sie hatten vor der Saison angekündigt, dass Sie in den Playoffs den besten Basketball zeigen werden. Sehen Sie das nach den beiden Spielen zuletzt immer noch so?

Bauermann: Wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand, das ist richtig. Aber wir hatten einen hervorragenden Schlussspurt, gehörten zu den besten drei Teams. Vielleicht haben wir dann gedacht, dass es jetzt von alleine geht. Wir müssen wieder mit so einer starken Halbfeldverteidigung agieren, wie wir das in den letzten zweieinhalb Monaten getan haben. Und dann werden wir auch wieder gewinnen.

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