John Bryant schaffte es 2011 und 2012 in das Beko BBL-All-First-Team © imago

In Braunschweig hat MVP Bryant erneut Grünes Licht bei Dreiern. Der einstige 175-kg-Mann hat eine schwarze Nacht hinter sich.

Von Michael Spandern

München - Der MVP der Liga wildert auf fremden Terrain. Ulms John Bryant, im April zum wertvollsten Spieler der Beko BBL gewählt, ist in den Playoffs vom Herrscher der Zone zum Scharfschützen aus der Distanz mutiert.

Viermal versuchte sich der 2,11 Meter große Koloss, der einst 175 Kilogramm wog, beim Auftaktsieg der Viertelfinal-Serie gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig (Bericht) aus dem Dreipunkteland - viermal zappelte der Ball im Netz.

Und auch auswärts in Spiel 2 (ab 19.10 Uhr LIVE im TV bei SPORT1 und im LIVESTREAM) hat Bryant Grünes Licht, seinen Aktionsradius auszuweiten - und dürfte dabei weniger lange fackeln als am Samstag.

Dreierverbot am College

"Nachdem er den ersten Dreier verweigert hat, habe ich ihm recht deutlich gesagt: 'Bitte nimm dir den Wurf'", erzählte ratiopharm-Coach Thorsten Leibenath der "Südwest Presse".

Leibenath wusste, was er tat. Schließlich tritt er nach den Trainings oft zu Distanzwürfen gegen den 24-Jährigen an - und liegt, so beteuerte Bryant unlängst, in Rückstand.

Wie gut es in der Praxis klappte, wunderte ihn dann trotz respektabler Ausbeute von 3 aus 7 während der Regular Season doch: Vier Dreier habe er noch nie in einer Partie verwandelt. "Auch nicht am College oder an der Highschool - da durfte ich eh keine Dreier werfen."

Angestachelt von Griffins Karriere

Am College erlebte der Kalifornier eine einschneidende Zeit. Nicht nur, weil der Coach der Santa Clara Broncos ihn zwang, seine Haarpracht zu kürzen.

Kerry Keating machte Lebemann Bryant klar, dass er mit Basketball Geld verdienen könne, wenn er seinen Lebenswandel entsprechendend verändere.

In seinem letzten Jahr an der Uni zog er dann im Kampf um den Titel des landesweit besten Rebounders nur gegen Blake Griffin, den jetzigen Superstar der L.A. Clippers, den Kürzeren. "Ich sehe seine Karriere als etwas, was mich anstachelt", sagt Bryant. "Er hat es in die NBA geschafft, und vielleicht schaffe ich es auch."

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"Zur falschen Zeit am falschen Ort"

Der Traum, der in der Draftnacht von 2009 vorerst platzte, lebt nach seinem Aufstieg zum MVP wieder auf.

Eine viel schwärzere Nacht als beim Rekrutierungsverfahren der NBA erlebte der Center allerdings, als er niedergestochen wurde. Noch heute zeugen Narben an seinem Rücken davon.

"Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort", hakt er die Attacke ab. "Es gibt halt Leute, die suchen Streit. Aber die Verletzungen haben mich nicht lange außer Gefecht gesetzt. Es war ein zweiwöchiger Rückschlag, mehr nicht."

Die Freundin wacht über die Fitness

Bryant schaut ohnehin lieber nach vorne. Der Heimvorteil, den die an Zwei gesetzten Ulmer auch im Halbfinale hätten, wiege schwer (DATENCENTER: Die Playoffs).

Und er selbst mittlerweile fast 50 Kilo weniger als in seinen All-you-can-eat-Zeiten: "Mit dem Gewichtsverlust und meiner besseren Kondition kann ich nun länger auf dem Spielfeld stehen und alles dafür tun, dass das Team gewinnt. Es macht einfach viel mehr Spaß, wenn man gewinnt", sagt er.

Den Spaß hat er auch seiner Freundin zu verdanken, die zugleich seine Fitness-Trainerin ist und auch auf seine Ernährung achtet: "Wir kochen und ernähren uns gesund mit viel Reis, Hühnchen und Pasta."

Fast-Food ist zwar nicht ganz verboten, aber: "Ich fälle die Entscheidungen und wenn es eine schlechte ist, weiß ich, dass sie mich negativ beeinflusst."

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