David Holston kam aus der Türkei zu den Artland Dragons © getty

Der Ausgleich der Artland Dragons in den Playoffs gegen Bayern wird von der Tätlichkeit von Topscorer Holston überschattet.

Von Eric Böhm

München - Aufgeheizte Stimmung, ein Appell des Coaches, Ausraster und ein fast gelungenes Comeback: Das erste Playoff-Heimspiel des FC Bayern München hätte kaum turbulenter ablaufen können.

Die 84:92-Niederlage gegen die Artland Dragons (Bericht) und der damit verbundene 1:1-Ausgleich in der Viertelfinal-Serie trat aber nach den Geschehnissen der Schlussphase in den Hintergrund.(DATENCENTER: Die Playoffs)

Der mit 1,70 kleinste Spieler auf dem Feld sorgte für den größten Ärger. Dragons-Spielmacher David Holston ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen Bayern-Kapitän Steffen Hamann, der ihn zuvor mit einem Rempler provoziert hatte, hinreißen und könnte damit die Serie entscheiden (Video).

Sperre droht

Eine Sperre von mindestens einem Spiel droht dem bis dahin überragenden Akteur und Mit-Sünder Nathan Peavy. Das befürchtet auch sein Coach Stefan Koch.

"Ich kann noch nicht sagen, ob es dazu kommt, aber es ist natürlich möglich. Ich kann zu der Szenen nichts sagen. Wir müssen abwarten", hielt sich Koch bedeckt.

Zumindest beim Power Forward rechnet er mit einer Begnadigung für Spiel 3: "Peavy wird mit Sicherheit dabei sein. Er sollte eingewechselt werden und hat das Feld betreten. Unserer Ansicht nach hat ihn einer der Schiedsrichter schon reingewunden", sagte er SPORT1. "Hinterher hat einer der Schiedsrichter gesagt: Er hat das Feld unberechtigt betreten - Disqualifikation."

Hamann und Holston bleiben stumm

Was war passiert? Knapp fünf Minuten vor dem Ende versetzte Holston Nationalspieler Hamann einen Schlag und wurde disqualifiziert. Unmittelbar zuvor hatte Haman dem 1,68-Meter-Mann in seinem Rücken unter dem Korb einen harten Stoß mit dem Arm versetzt.

Während der folgenden Rangelei musste auch Peavy vorzeitig unter die Dusche. Bayern-Center Jared Homan und Artlands Big Man Anthony King bekamen unsportliche Fouls.

Die beiden unmittelbar betroffenen Point Guards wollten oder durften sich nicht äußern. Von Bayern-Seite verweigerte Coach Dirk Bauermann auf SPORT1-Nachfrage einen Kommentar: "Das interessiert mich nicht. Das liegt nicht in unseren Händen. Ob es zu einer Sperre kommt, muss man abwarten."

Bärendienst an den Dragons

Es wird nun auf den Bericht der Schiedsrichter ankommen. Sollten sie die Aktion in ihrem Bericht als Tätlichkeit werten, wird die Beko BBL definitiv reagieren.

Es wäre eine brutale Schwächung, für die Dragons, die den Heimvorteil vor allem dank Holstons genialer Regie zurückeroberten und in Spiel drei (Sa., ab 13.50 Uhr LIVE im TV bei SPORT1) ihre Heimpleite zum Playoff-Auftakt korrigieren wollen.

Entsprechend enttäuscht waren die Mitspieler. Auf die Frage, ob es der Mannschaft gegenüber einen Bärendienst gewesen sei, antwortete Guard Johannes Strasser nach kurzem Zögern: "Ja!"

"Er ist verdammt schnell"

Dreieinhalb Viertel lang nahm der "Zauberzwerg" die sonst so stabile FCB-Abwehr mit Zug zum Korb, punktgenauen Pässen und Distanztreffern auseinander.

Sein Wert ging weit über die reinen Statistiken (21 Punkte, 5 Assists) hinaus. Der Dreier zum 75:55 machte eigentlich schon alles klar. Dass seine Kollegen den Sieg fast noch verspielt hätten, unterstreicht seine Wichtigkeit.

"Du musst eigentlich vor ihm bleiben. Er ist aber so verdammt schnell. Wir haben ihn einfach nicht bremsen können", musste auch Bayerns Topscorer Jared Homan (17 Zähler, 12 Rebounds) anerkennen.

Reaktion auf Pfiffe

Bereits zur Pause führten die Dragons deutlich und drehten damit den Spieß im Vergleich zu Spiel eins (Bericht) um.

Auch deshalb griff Bauermann auf dem Weg in die Kabine zum Mikro. Die deutlichen Pfiffe des Publikums konterte er mit einer feurigen Forderung nach Unterstützung.

"Ich wollte die Leute daran erinnern, dass dieses Team zwölf der vergangenen 13 Spiele gewonnen hat. Wir hatten uns ein großes Loch gegraben und brauchten positive Energie von den Rängen", erklärte der ehemalige Bundestrainer.

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Bauermann: Artland steht unter Druck

Er hatte die mangelnde Aggressivität speziell in der ersten Hälfte als entscheidenden Faktor ausgemacht, das Aufbäumen in der Schlussphase gab ihm und seinem Team aber den Kampfgeist zurück.

"Wir sind nicht so aufgetreten, wie wir uns das gewünscht hätten, aber Artland weiß, dass sie jetzt unter Druck stehen. Bei einer Niederlage am Samstag könnte die Serie dann hier in München schon vorbei sein", meinte Bauermann.

Strasser selbstbewusst

Homan forderte im Angriff die Rückkehr zu den Stärken: "Im ersten Spiel haben wir gezeigt, wie es geht. Wenn wir den Ball nach innen bringen, sind wir erfolgreich."

Auf der anderen Seite haben die Quakenbrücker aber ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen und gehen trotz der Holston-Situation gestärkt in die nun folgende Mini-Serie.

"Ein 0:2-Rückstand wäre sehr schwer gewesen. Wir wissen, wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir hier und bei uns zu Hause gegen Bayern gewinnen", sagte der gebürtige Dachauer Strasser bei SPORT1.

So oder so wird die Liga mit ihrer Entscheidung bezüglich der Sünder großen Einfluss auf den Halbfinaleinzug nehmen. Die Unbeherrschtheit zwei ihrer Topspieler könnte die Dragons teuer zu stehen kommen.

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