Steffen Hamann (l.) wechselte zur Saison 2010/2011 zum FC Bayern München © getty

Artland stürmt in Spiel 2 die Bayern-Festung, aber der Topscorer verpasst Hamann einen Schlag. Bauermann ergreift das Mikro.

Aus dem Audi Dome berichtet Eric Böhm

München - Der FC Bayern hat einen vorentscheidenden Schritt in Richtung Halbfinale verpasst.

In ihrem ersten Playoff-Heimspiel verloren die Münchner gegen die Artland Dragons 84:92 (30:49) und kassierten in der Best-of-Five-Serie den 1:1-Ausgleich. Es war erst die zweite Heimpleite des FCB.

Der kleine Spielmacher David Holston war dank 21 Punkten sowie fünf Assists der Sieggarant der Dragons, sorgte jedoch zugleich auch für die hässlichste Szene am Abend. Knapp fünf Minuten vor Schluss beim Stand von 59:79 ließ sich der US-Amerikaner zu einem Schlag gegen Nationalspieler Steffen Hamann, der ihn zuvor mit einem Rempler provoziert hatte, hinreißen und wurde disqualifiziert.

Daraufhin kam es zu einem Spieler-Tumult auf dem Feld. Artlands Power Forward Nathan Peavy wurde in der Folge ebenfalls des Spielfelds verwiesen. Beiden droht eine Sperre für Spiel 3 am Samstag in Quakenbrück (Sa., ab 13.50 Uhr LIVE im TV bei SPORT1).

Klassischer Fehlstart

Zuvor hatte Holston immer wieder durch die keineswegs sattelfeste Bayern-Abwehr gewirbelt FCB-Kapitän Haman handelte sich gegen den zweitbesten Scorer der Beko BBL aus der regulären Saison zwei schnelle Fouls ein.

Auch Sonderbewacher Demond Greene konnte den 1,70 Meter großen "Zauberzwerg" vor 6.589 Zuschauern kaum bremsen.

Holston narrt drei Verteidiger

So erarbeiteten sich die gut organisierten Gäste durch einen 10:0-Lauf die 12:5-Führung und provozierten Bauermanns erste Auszeit.

Die Bürde des Favoriten lastete schwer auf den Gastgebern, die im Angriff ihre eigentliche Stärke in der Zone kaum ausspielten und sich zu sehr auf Würfe von draußen verlegten.

Weil in Bastian Doreth auch der dritte Verteidiger von Holston genarrt wurde, ging Artland mit einer überraschenden 22:13-Führung ins zweite Viertel (DATENCENTER: Die Playoffs).

"Artland hat vom Anfang bis zum Ende geführt, das lag an der mangelnden Aggressivität. Wir haben auch kaum Rebounds geholt und dadurch verdient verloren", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei SPORT1.

Stimmung hilft nicht

Das Publikum präsentierte sich dagegen von Beginn an in Topform und sorgte für die aus der regulären Saison bekannt enthusiastische Atmosphäre.

Abgesehen von den spärlichen Anhängern der Gäste aus dem Norden beteiligte sich der gesamte Dome an einer rot-weißen Choreographie samt Schlachtruf.

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"Die Fan-Unterstützung wird uns natürlich pushen", hatte Sportdirektor Marko Pesic bereits im Vorfeld gehofft.

Kaum Gegenwehr

Neben unnötigen Ballverlusten ließen die Bayern der Truppe von Coach Stefan Koch aber weiterhin auch am eigenen Brett viel zu viel Platz.

Nach Hamanns drittem Foul - und folgendem technischen Foul gegen Center Jared Homan - setzten sich die Dragons bis zur Pause auf 49:30 ab.

Holston band immer wieder die guten Scorer wie Darren Fenn (12 Punkte) ein oder schloss selbst innen und außen beeindruckend ab. Einzig Homan (17 Zähler) leistete etwas Widerstand.

Auf die nicht zu überhörenden Pfiffe reagierte Bauermann auf dem Weg in die Kabine mit einer energischen Gardinenpredigt an die Fans und der Forderung nach positiver Bestärkung.

Bauermanns Appell verpufft

Ähnlich lautstark dürfte der ehemalige Bundestrainer danach sein strauchelndes Team zusammengefaltet haben.

Dennoch ging es im gleichen Takt weiter. Den fahrigen Bayern wurden von in allen Belangen überlegenen Dragons eine Lektion in Teambasketball erteilt.

Ein kurzes Aufflackern von Nationalspieler Robin Benzing, der am Ende des dritten Viertels sieben Punkte markierte, gab dem FCB noch einmal Hoffnung.

Holston macht den Sack zu

Die sonst so stabile Verteidigung fand aber einfach kein Mittel gegen Artlands ausgezeichnetes Passspiel und wusste sich häufig nur durch Fouls zu helfen.

Holston machte mit seinem Dreier zum 75:55 bereits gute sechs Minuten vor Schluss den Sack vermeintlich schon zu.

Die Erinnerungen an seinen unglaublichen Buzzer-Beater beim 86:83 nach Verlängerung in der Verlängerung während des Duells in der regulären Saison in Quakenbrück wurden spätestens zu diesem Zeitpunkt wieder wach.

Matchwinner fliegt

Peavys und Holstons Abwesenheit ließ die Partie plötzlich kippen. Angeführt von Je'Kel Foster (16 Zähler) und Chevon Troutman (15) robbten sich die Bayern auf 81:87 heran.

Die Gäste behielten dann aber von der Freiwurflinie die Nerven und holten sich den Heimvorteil.

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