SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck lobt die Bonner Abwehr und glaubt, dass das nächste Duell gegen Bamberg eine Entscheidung bringt.

Hallo Basketball-Freunde,

es ist Playoff-Zeit, und "Unglaubliches wird passieren" - so werden viele Basketball-Fans gehofft haben. Und bereits im ersten Spiel der ersten Runde ist Unglaubliches passiert.

Der Achte, die Bonner - erst in letzter Sekunde in die Playoffs eingezogen - bezwingen die scheinbar unschlagbaren Bamberger - unglaublich!

Zuhause seit knapp zwei Jahren ungeschlagen, 48 Heimspiele in Folge gegen keine deutsche Mannschaft verloren: das sind Bamberger Werte, die jeder Mannschaft großen Respekt einflößen - den Bonnern aber nicht den Mut genommen haben.

So sind eben Playoffs: Oft ist Spiel 1 einer Serie das dankbarste für den Underdog. Nichts kann passieren, außer man wächst über sich hinaus und überrascht den Favoriten.

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Es war ein Sieg der ganzen Mannschaft, die sich nie aufgegeben hat und immer wieder zurückschlagen konnte, wenn alle dachten, Bamberg würde zum entscheidenden Schlag ausholen.

Großes Kompliment an Mike Koch, der mit variablen und stetig wechselnden Verteidigungsvarianten den Rhythmus im Bamberger Spiel gebrochen und so das Spiel immer knapp gehalten hat. Und am Ende eines knappen Basketballspieles kann immer etwas Unglaubliches passieren.

Bonn hat nun ein Heimspiel dazu gewonnen und die Gewissheit, dass das Unmögliche möglich ist. Ich denke, wer das nächste Spiel gewinnt, wird auch die Serie gewinnen.

In der Auftaktbegegnung des Zweiten Ulm gegen den Siebten Braunschweig blieb die Überraschung aus. Bemerkenswert, wie souverän die junge Ulmer Mannschaft ihr erstes Spiel bestritt und die Braunschweiger eindrucksvoll in die Schranken wies. Man merkt, dass diese Mannschaft Bock auf mehr hat.

Die an Position drei gesetzten Berliner gegen die Würzburger an Position sechs - das war für mich eigentlich die spannendste aller Serien.

Schon im Vorfeld war da richtig Feuer drin, die Verantwortlichen beider Teams haben kein Blatt vor den Mund genommen. Fakt ist und bleibt, dass eine Mannschaft, die 40 Minuten lang so intensiv und aggressiv wie die Würzburger verteidigt, gerade in den Playoffs nie einfach bezwungen werden kann.

Verliert Berlin auch nur ein paar Minuten die Konzentration kann Würzburg das Spiel und auch die Serie komplett kippen. Es wird eine sehr anstrengende Serie für beide Teams.

Nur wenn Berlin es schafft, die Überlegenheit am Brett und die tiefere sowie ausgeglichenere Bank zu nutzen, können sie ihrem Favoritenstatus in dieser Serie wie in Spiel 1 gerecht werden.

Die Bayern haben wie eine Mannschaft gespielt, die ihren ersten Charaktertest zum Ende der Hauptrunde bereits bestanden hat. Mit sehr guten Leistungen haben sie viele Kritiker eines Besseren belehrt und auch die Auswärtsschwäche abgelegt - das schweißt zusammen und stählt für die Playoffs.

Außerdem haben sie einen Coach, der weiß, wie man erfolgreich in den Playoff spielen muss. Mit viel Feuer haben sie dann ja tatsächlich das erste Spiel gegen Artland gewonnen.

Artlands Erfolg lebt und stirbt mit dem kleinsten Spieler auf dem Feld - David Holston. Gelingt es den Bayern ihn zu kontrollieren, fehlt dem Artländer Spiel die stärkste Komponente.

Er setzt die Akzente, schafft Freiräume für seine Mitspieler und ist am Ende immer für eine Überrasschung gut. Auch in dieser Serie kann "Unglaubliches passieren"...

"It's playoff time, baby!"

Während hier die Playoffs gerade losgehen, sind die NBA-Playoffs bereits im vollen Gange. Und auch dort passiert natürlich Unglaubliches.

Dirk Nowitzki und die Mavs sind als amtierender Champ in der ersten Runde mit 0:4 ausgeschieden. Schade aus unserer Sicht natürlich in erster Linie für Dirk, aber wenn man ehrlich ist, konnte man in der stark verkürzten Saison schon absehen, dass dieses Mal gegen Oklahoma City Thunder die Karten anders verteilt sein würden.

Das junge Team von Oklahoma ist noch gefährlicher und vor allem konstanter sowie souveräner geworden. OKC hatte einfach zuviel Power für die Mavericks, die nach einem Sommer mit glücklosen Personal-Entscheidungen nur selten ihren Rhythmus gefunden haben, auch wenn Dirk Nowitzki nie aufgesteckt hat.

Trotzdem glaube ich, dass auch fürs nächste Jahr noch eine Menge von dem, was Dirk ausmacht, in Dirk steckt.

In diesem Sinne,

EuerStephan Baeck

Stephan Baeck, 47, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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