Ademola Okulaja kritisiert beim Absteiger die Einstellung im Do-or-Die-Spiel. Für die Playoffs hat er einen Favoriten.

Hallo Basketball-Freunde,

Abstiegskrimi in Hagen - Giessen oder die Feuervögel, einen musste es erwischen. Ob es nun gerecht ist, dass Giessen runter muss, möchte ich mir nicht anmaßen zu beurteilen.

Was mich aber doch sehr überrascht hat: die Intensität und das Feuer waren gerade am Anfang nicht vorhanden. 30 Punkte im ersten Viertel eines so wichtigen Spiels zu kassieren ist übel.

Zygimantas Jonusas in allen Ehren, aber vier Dreier in den ersten zehn Minuten sind aus Sicht der 46ers inakzeptabel. Gerade mit Koko Archibong als eigentlich sehr gutem Verteidiger verstehe ich die Defense nicht. Spätestens nach dem zweiten Dreier muss der Gameplan überdacht werden und klar sein: Dem rücke ich nicht mehr von der Pelle.

Jonusas hat nicht nur im Angriff geglänzt, er hat hart verteidigt, Offense-Fouls gezogen und gepasst. Der Junge war motiviert bis in die Haarspitzen. Ich glaube nach dem Spiel ist er entweder direkt eingeschlafen, oder wurde in ein Sauerstoffzelt verfrachtet. Genau solche Spieler willst du in deinem Team haben.

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Die 46ers haben sich zwar im Anschluss gefangen, doch über das ganze Spiel gesehen, gab es nur einen Moment, in dem es noch einmal knapp wurde. An die Wende geglaubt habe ich aber nicht, dafür war Hagen vor der sensationellen Heimkulisse einfach zu stark.

Bei Giessen hat der Leader gefehlt, der auf den Putz haut. Warum die Hessen so wenig Feuer hatten, kann ich nicht sagen, aber aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich, dass es immer wieder Kollegen gibt, die sich sogar in so einem Spiel sagen: "Dienst nach Vorschrift, ich hab alles gemacht. Ab morgen ist Urlaub."

Aber letztlich ist das alles nur Spekulation. Fakt ist, Giessen ist sportlich abgestiegen.

Ob sie durch die Hintertür Wildcard vielleicht doch drin bleiben, werden wir sehen. Ich für meinen Teil finde es immer besser, wenn im Zweifelsfall die Variante erfahrener Klub mit gewachsenen Strukturen gefahren wird. Es nutzt niemandem etwas, wenn dem sportlichen Aufsteiger nach der halben Saison, aus welchen Gründen auch immer, die Puste ausgeht und der Spielbetrieb eingestellt werden muss.

Schluss mit Tabellenkeller, es ist Playoff-Time!

Bei Bamberg mache ich mir keine Sorgen. Selbst wenn Bonn eine ordentliche Mannschaft hat, die Franken sind zu professionell. Ulm lässt gegen Braunschweig nichts anbrennen. Für Berlin dürfte es gegen Würzburg hart werden.

Auf dem Papier sieht es nach 3:0 und Tschüss aus, aber in der Realität glaube ich, dass ALBA an den Würzburgern ordentlich zu beißen hat. Der Schlüssel für mich liegt darin, die großen Berliner Center Idbihi und Francis etwas zu schonen, dafür mehr auf den flexibleren Marko Simonovic und Derrick Allen zu setzen.

Artland gegen Bayern könnte spannend werden. Die Münchner sind auswärts jetzt stärker und Bauermanns Defense ist berüchtigt. Wenn David Holston Quakenbrück über 75 Punkte hievt, dann gewinnen die Dragons, halten die Bayern sie darunter, sieht es für die Münchner ziemlich gut aus.

Ich denke am Ende läuft es auf das Finale Bamberg gegen Berlin hinaus, wobei ich es für sehr fraglich halte, ob Bamberg in einer Serie zu bezwingen ist.

Noch ein kurzer Blick über den großen Teich in die NBA.

Hier schon auf die Finals zu tippen ist etwas zu gewagt, darum zunächst mal die Finals der Eastern Conference. Auch wenn den Chicago Bulls Derrick Rose fehlt, haben sie immer noch genug Potenzial für das Halbfinale, wo sie dann auf die Miami Heat treffen werden.

Im Westen ist die Prognose nicht ganz so leicht. Die Lakers haben die absolute "Winning Mentality", Oklahoma müsste von den Fähigkeiten her stark sein, die Frage ist aber, ob Point Guard Russel Westbrook kontrolliert werden kann. Bei San Antonio bin ich gespannt, was Coach Popovich aus dem Hut zaubert.

Auch die Mavericks habe ich nicht abgeschrieben. Dallas und Dirk hatte letztes Jahr auch niemand auf dem Schirm und dann ging das Gewinnen los.

In den Playoffs werden die Karten neu gemischt, mal sehen, wer das beste Blatt hat.

EuerAdemola Okulaja

Ademola Okulaja war acht Jahre Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Der Forward nahm an fünf Europa- und zwei Weltmeisterschaften teil, holte 2002 WM-Bronze in den USA. In der Liga spielte er für ALBA Berlin - wo er den Korac Cup 1995 und die Meisterschaft 2000 holte -, in Köln und zuletzt in Bamberg. 2010 erklärte er seine Karriere für beendet. Nun begleitet er für SPORT1 das Geschehen in der Beko BBL als TV-Experte und Kolumnist.

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