Patrick Femerling betrachtet in seiner Kolumne die schwierige Situation der deutschen NBA-Neulinge. Ohlbrecht und Harris legt er Europa ans Herz.

Hallo Basketball-Freunde,

am vergangenen Freitag haben die Los Angeles Lakers Elias Harris entlassen. Für ihn war es trotz dieses Rückschlags vor allem eine Chance, bei den Lakers zu spielen und das wird ihn jetzt nicht um Lichtjahre zurückwerfen.

Das sind Erfahrungen, die er sicherlich nicht missen will und die ihn weiterbringen.

Die Möglichkeit, auf diesem Niveau zu trainieren, muss Elias als Motivation nehmen, um sich weiter zu entwickeln und den nächsten Schritt zu machen.

Er hat noch jede Menge Entwicklungspotenzial und daher muss das jetzt noch lange nicht das Ende seiner NBA-Ambitionen sein.

[image id="9cda7c42-63c1-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]








Auch Dennis Schröder bekommt bei den Atlanta Hawks derzeit nicht allzu viel Spielzeit.

Bei ihm ist es so, dass er mit sehr vielen Vorschusslorbeeren dorthin gekommen ist. Dadurch hat viel Druck auf ihm gelastet, den er sich wahrscheinlich vor allem auch selbst gemacht hat.

Aber die Hawks hätten ihn nicht so hoch gedraftet, wenn sie kein Potenzial in ihm gesehen hätten.

Er muss sich jetzt einfach wieder anbieten und über die Minuten, die er im Spiel bekommt, seine Qualitäten unter Beweis stellen.

Auch Dennis' Entwicklung ist mit seinen gerade einmal 20 Jahren ja noch lange nicht am Ende. Jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, ist sicherlich verfrüht.

Tim Ohlbrecht nimmt derzeit einen neuen Anlauf in der D-League und will auf diesem Weg den Schritt zurück in die NBA schaffen.

Wie sinnvoll es ist, noch ein Jahr in der D-League zu spielen, weiß ich nicht.

Gerade für Tim, aber auch für Elias, wäre meiner Meinung nach auch ein Engagement in Europa eine Alternative. Ich bin immer noch ein großer Fan des europäischen Basketballs.

Aber dafür ist es ja noch nicht zu spät, auch während der Saison werden schließlich immer wieder noch Spieler gesucht und verpflichtet.

Und es hat sich bei einigen Spielern gezeigt, die in Europa hochklassig gespielt haben, dass sie anschließend zurück in die USA gegangen sind und dann ihre NBA-Verträge bekommen haben.

Ein Wechsel nach Europa ist für mich also keinesfalls eine abwegige Entscheidung.

Die deutsche Nationalmannschaft kann von den Erfahrungen dieser jungen Spieler in jedem Fall nur profitieren.

Ich glaube vor allem die Erfahrung, jetzt nicht aufzugeben, sondern aufzustehen und weiterzumachen ist eine Sache, die charakterprägend für Spieler ist.

Davon werden auch die Jungs profitieren, bei denen es nicht klappt oder bei denen es gerade nicht so läuft - und ich erwarte, dass sie gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.

Bis bald,

EuerPatrick

Patrick Femerling, geboren 1975, ist aktuell mit 221 Einsätzen von 1996 bis 2009 Rekordspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem DBB-Team gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er wurde Meister und Pokalsieger in Deutschland, Spanien und Griechenland.

Weiterlesen