Newcomer Rob Cross schickt Rekordweltmeister Phil Taylor mit einer Machtdemonstration in Rente und krönt sich beim WM-Debüt gleich zum Weltmeister.

von Michael Prieler

Phil Taylor ist der perfekte Abschied von der Darts-Bühne verwehrt geblieben.

Zum Abschluss seiner Karriere verpasste "The Power" seinen 17. WM-Titel. Im Finale gegen Rob Cross hatte der Rekordweltmeister nicht den Hauch einer Chance. 

Der 27-Jährige zeigte auf der Bühne im Londoner Alexandra Palace eine nahezu perfekte Vorstellung und fügte Taylor mit 7:2 dessen zweithöchste Niederlage in einem WM-Finale zu. Damit tritt Taylor, der in seiner fast 30-jährigen Karriere umgerechnet 8,1 Millionen Euro Preisgeld verdient hat, mit 83 Major-Siegen ab.

"Phil hat 1990 das erste Mal gewonnen, da bin ich geboren", sagte Cross bei der Siegerehrung: "Er hat so viel für diesen Sport getan, ich hoffe er tritt zufrieden zurück."

Taylor räumte ohne Bitterkeit ein, er habe "nicht mehr die Energie, einen Mann wie Rob Cross zu schlagen. 30 Jahre lang war das hier mein Leben, und nun startet seine Karriere. Ich sehe bei ihm viele Parallelen zu mir, er opfert sich für diesen Sport. Die Konkurrenz wird mit ihm ein großes Problem haben."

Cross zeigt keine Nervosität

Cross war im ersten Aufeinandertreffen mit Taylor von Beginn an voll da, zeigte in seinem ersten WM-Finale überhaupt keine Nervosität: Die ersten Fehler der Legende bestrafte "The Voltage" eiskalt, holte sich mit einem Break im vierten Leg gleich den ersten Satz.

Die Darts-WM im englischen Original-Kommentar LIVE auf DAZN - jetzt kostenlosen Testmonat sichern!

Und der Engländer hielt das Niveau auch im zweiten Durchgang, spielte beständig einen 3-Dart-Average von mehr als 105 Punkten und sicherte sich Satz 2 mit einem 167er-High-Finish.

Taylor spielte bis dahin nicht schlecht, lag ebenfalls bei mehr als 100 Punkten pro Aufnahme, konnte mit Cross' Tempo aber nicht ansatzweise mithalten.

Weitere Infos zum Darts, Order of Merit und Portraits der Top-Stars auf dartsblog.de

Acht perfekte Darts für Taylor

Und auch wenn man es kaum für möglich gehalten hätte: In der Folge steigerte sich Cross sogar noch einmal. Den dritten Satz gewann "The Voltage" zu null, stand zwischenzeitlich bei einem 3-Dart-Average von mehr als 109 Punkten und einer Doppelquote von 72 Prozent.

Rekordweltmeister Taylor kam erst im vierten Satz so richtig in der Partie an, leistete sich weniger Fehler und schaffte durch ein klares 3:0 den Anschluss.

Eine symptomatische Szene dann im fünften Satz: Taylor schraubte gleich im ersten Leg acht perfekte Darts ins Board, verfehlte danach aber vier Mal die Doppel 12. Cross bestrafte den Alt-Meister postwendend und verbuchte wenig später den nächsten Durchgang ohne Legverlust.

In der Folge war der Newcomer überhaupt nicht mehr zu stoppen, verfehlte kaum noch einen Wurf aufs Doppelfeld. Nur im achten Satz wackelte Cross noch einmal kurz, gab seinen zweiten Satz ab.

Doch für eine Aufholjagd reichte es für Taylor nicht. Am Ende schickte Cross "The Power" mit einer 7:2-Vorführung und dem dritthöchsten 3-Dart-Average in der Finalgeschichte (107,67) in Rente. Sein 140er-Finish zum Titel war sogar das höchste in der Turnierhistorie.

Cross erhält für den Triumph bei seinem WM-Debüt neben der Sid-Waddell-Trophäe einen Siegerscheck über umgerechnet 450.000 Euro.

Weiterlesen