Salomon 1080
Salomon 1080
Roman Lachner -

Gegen Ende der 90er-Jahre stand es nicht gut um die Zukunft des Skisports: im Vergleich zu den freigeistigen Snowboardern viel zu uncool. Dann wurde mit dem Salomon „1080“ einer der ersten Twintips ever auf den Markt gebracht. Gerade noch rechtzeitig, um unseren Sport wiederzubeleben.

Erste Experimente

Bereits in den 70er-Jahren wurde bei den Aerials-Jungs und den Hot Doggern mit aufgebogenen Tails experimentiert. Auch Line-Skis-Gründer Jason Levinthal hatte schon 1995 die Form für einen Twintip mit symmetrischem Sidecut in seiner Hinter­hof­werkstatt herumliegen, brachte dieses Modell aber erst später auf den Markt. Die wirk­lich flächendeckende Revolution in Form des ersten kommerziell erfolgreichen Twintips, der auch in die Massenproduktion ging, hatte seinen Ursprung schließlich gegen 1996.

New Canadian Air Force

Damals trainierte Mike Douglas unter anderem J.P. Auclair, J.F. Cusson, Shane ­Szocs und Vincent Dorion im kanadischen Buckelpisten-Team. Die fünf hingen auch nach dem offiziellen Training gemeinsam am Berg ab und waren als „New Canadian Air Force“ bekannt. Sie warfen das Regelwerk aus dem Fenster und versuchten, auf ihren Mogul-Skis mit den Snowboardern in den aufkommenden Snowparks mit­zu­halten. 360’s, Backflips und massive Airs waren kein Problem – Switch-Tricks dagegen schon. Langsam brauchten die Jungs etwas unter den Füßen, das ihnen ermöglichte, ihre Vorstellungen vom Freeskiing in die Tat umzusetzen. Switch fahren, abspringen und landen musste drin sein, ein fehlertoleranterer Flex und ein moderner Shape ebenfalls. Klar, es gab damals auch Snowblades und Skiboards zum Tricksen, doch das waren keine ernst zu neh­menden Optionen. Es war also an der Zeit, die Industrie davon zu überzeugen, ein Modell für die New School – ja, so nann­te man das damals wirklich – zu entwickeln, um die junge Generation nicht ans Snowboarding zu verlieren und die Zukunft des Skisports zu sichern.

https://www.youtube.com/watch?v=oYC1oUzQhkc

Godfather of Freeskiing

Kurzerhand produzierte man eine Art Bewerbungsvideo. Darin wurde gezeigt, was momentan auf zwei Brettern machbar war und was sich an der Skikonstruktion ändern müsste, um die Progression voranzu­treiben. Im klassischen Ski-Business war zu dieser Zeit das Thema Carving der heißeste Scheiß. Mike, heute als „Godfather of Freeskiing“ bekannt, war schon damals nicht auf den Kopf gefallen. Deshalb wollte das ausgebuffte Schlitzohr diesen Begriff, der gleichbedeutend mit Innovation und Hightech war, auf jeden Fall in den Titel einbauen. Schließlich galt es, das Inter­esse der Chefetagen zu wecken. Das Ergebnis: Eine Kopie des achtminütigen Promo-Videos „Air Carving“ landete kurze Zeit später im Briefkasten aller möglichen Brands. Trotz des reißerischen Titels hagelte es Absagen. Nur Salomon schien die Jungs für voll zu nehmen und setzte sich mit Mike in Verbindung, um der Idee auf den Grund zu gehen.

https://www.youtube.com/watch?v=AKkyygSGa0U

Einmal wenden bitte

Dann ging alles ganz schnell. Die Jungs ga­ben den Entwicklern bei Salomon ihren Input und nur wenige Monate später hielten sie die ersten Prototypen des „1080“ in Händen. J.P. Auclair brachte das Konstruktionsverfahren sehr vereinfacht auf den Punkt: „Im Grunde hat Salomon den ,X Scream‘ genommen, ihn in der Presse einmal umgedreht und aus dem Tail ein Tip gemacht. Für uns hat das perfekt ­funktioniert.“

Rest ist Geschichte

Und so war die Grundlage dafür geschaffen, das Freeskiing auf das nächste Level zu hieven. Beinahe täglich lernten J.P. und und der Rest der Crew neue Tricks dazu, die nicht nur in den Parks, sondern später auch in den großen Ski-Movies zu sehen waren. Für das Image des Freeskiing ein Sechser im Lotto. Immer mehr Kids konnten sich mit dieser Art des Skifahrens identifizieren und wollten ihren Vorbildern nacheifern. Der kommerzielle Erfolg des „1080“ war so groß, dass bald darauf auch die Mitbewerber auf den Zug aufsprangen und eigene Twintips auf den Markt brachten. So bekam die gesamte Skiindustrie einen überlebenswichtigen Impuls, für den wir auch heute noch dankbar sein können. Denn wer weiß – vielleicht hätten sich ja sonst am Ende die Snowblades doch noch durchgesetzt...



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