Jeremy Jones: Storm Chaser
Jeremy Jones: Storm Chaser
Felix Schäfer -

Jeremy Jones ist passionierter Snowboarder, Tüftler, Surfer und Skateboarder. Im "Storm Chaser" hat er all diese Leidenschaften vereint. Zeit, einmal genauer hinzusehen.

Seite 1: Interview mit Jeremy über "Jones Snowboards"

Seite 2: Tech-Talk: Das Storm Chaser

Seite 3: Unser Erfahrungsbericht

Bevor wir uns näher mit dem "Storm Chaser" beschäftigen, wenden wir uns dem Mensch Jeremy Jones zu. Was treibt einen an, nach und inmitten einer so langen und erfoglreichen Karriere wie Jeremy sie für sich verbuchen kann, auch noch seine eigene Snowboard-Company zu gründen? "Jones Snowboards" hat sich heute als Big-Mountain-Freeride-Brand etablieren können für Snowboarder mit hohem Anspruch an ihr Material. Doch eins nach dem anderen...

Jeremy Jones mit seinem Stormchaser unterm Arm; sein Board der Wahl, wenn es entweder um Tree-Runs in frischem Powder oder langezogene Turns auf einer frisch abgezogenen Piste geht Jeremy Jones mit seinem Storm Chaser unterm Arm; sein Board der Wahl, wenn es entweder um Tree-Runs in frischem Powder oder langezogene Turns auf einer frisch abgezogenen Piste geht

Interview aus: Prime Snowboarding Magazine #10

Warum hast du dich dafür entschieden, eine eigene Firma zu gründen und selbst Boards zu bauen?

Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht das Produkt bekam, das ich mir wünschte. Ich war es leid, dass meine Ideen immer wieder aufs Neue abgelehnt wurden. Ich verbrachte mehr Zeit mit und auf Snowboards als meine sogenannten „Chefs“ zu jener Zeit und ich hatte das Gefühl, dass ich Snowboarden besser verstand als sie und mehr darüber, wie man Snowboards bauen könnte oder sollte. Der andere Grund, warum die Gründung einer eigenen Firma so spannend war, dass ich genau die Elemente, die mir aus der Zusammenarbeit mit den vielen unterschiedlichen Firmen klargeworden waren, in einem Projekt vereinen konnte. Diese Chance hat man nur, wenn man ganz von vorne anfängt.

Snowboard-Schmieden gibt es aber eine ganze Menge. Ist es nicht beinahe aussichtslos, sich als kleines Brand durchsetzen zu wollen?

Ich wollte nie eine Snowboard-Firma gründen. Die Idee kam mir tatsächlich gerade einmal sechs Monate vor der tatsächlichen Gründung von Jones Snowboards. Das war 2008, ich war mitten in der Arbeit an "Deeper". Im Mai traf ich David Benedek, er war einer der ersten, denen ich von meinen Plänen erzählte. Er dachte ein paar Minuten darüber nach und meinte: "Mach es." Er war tatsächlich einer der wenigen, der meine Ideen teilte und gut fand, denn die meisten Leute, mit denen ich darüber sprach, rieten mir davon ab. Auch die, die mich in anderen Aspekten meiner Karriere gut beraten hatten, meinten, ich sollte die Finger davon lassen.

Stormchaser - einen passenderen Namen hätte sich Jeremy für dieses Board nicht aussuchen können | © O'Neill/Andrew Miller Storm Chaser - einen passenderen Namen hätte sich Jeremy für dieses Board nicht aussuchen können | © O'Neill/Andrew Miller

Mittlerweile hast du Jones Snowboards als Brand erfolgreich etablieren können. Was unterscheidet deine Firma von anderen, die es nicht geschafft haben?

Ich bin so involviert in dem, was mein Team und ich bei Jones Snowboards machen, dass ich oft das Gefühl habe, in meiner eigenen Welt zu leben und nicht viel von dem mitzubekommen, was bei anderen Brands passiert. Ich weiß nur, dass der Erfolg von Jones Snowboards daher kommt, dass sich alle Beteiligten mit Leib und Seele in das Unternehmen einbringen. Wir sind authentisch, aber der größte Faktor ist sicher, dass wir gute Boards bauen. Um das zu erreichen, ist ein großer finanzieller und zeitlicher Aufwand

nötig und eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die ansonsten eigentlich nur bei weit größeren Firmen zu finden ist.

Du hast extrem hohe Ansprüche an dein Material. Wie lange hat es gedauert, bis du vom ersten Prototypen bei einem Board angekommen bist, mit dem zufrieden warst?

Ich befinde mich in der glücklichen Situation, eng mit Xavier Nidecker arbeiten zu können, der mehr oder weniger in einer Snowboard-Firma aufgewachsen ist. Sein Fachgebiet ist die Werkstatt, meines der Berg und wie sich ein Board im Schnee verhalten muss. Natürlich haben wir viel ausprobiert, aber wir waren beide erstaunt, wie gut schon der allererste Prototyp funktioniert hat. Wir haben sehr schnell eine Basis gefunden, auf der wir mit Shapes und verschiedenen Materialien experimentieren können, aber oft kehren wir wieder zu dieser Basis zurück, weil sie funktioniert. Die schwerste und beste Entscheidung ist oft, die Finger von dem Board zu lassen und nichts zu verändern.

Noch einmal zurück zur Firmengründung: Ein gutes Produkt zu haben ist die eine Sache, aber was ist mit all den anderen Bereichen? Unternehmensstruktur, Finanzierung, Verkauf, Distribution, Personalwesen etc. – hattest du eine Ahnung, wie du damit umgehen solltest?

Im Laufe meiner Karriere habe ich mit vielen Firmen zusammenarbeiten können. Und wie ich eingangs erwähnt habe, habe ich mir das, was ich bei diesen Firmen gesehen, gelernt und für gut befunden habe, herausgepickt, um es bei Jones Snowboards zusammenzuführen. Viele Pro-Snowboarder nutzen die Gelegenheit nicht aus, von ihren Sponsoren zu lernen und sich einzubringen. Mir war es dagegen immer wichtig, so viel wie möglich über die Firmen zu wissen, für die ich fahre. Ich wollte wissen wie sie funktionieren, habe an vielen Meetings teilgenommen und mir so übe rdie Jahre einen großen Erfahrungsschatz angeeignet. Aber natürlich habe ich bei der Gründung meiner eigenen Firma Leute an Bord geholt, die bestimmte Aufgabenbereiche übernommen haben, in denen ich keine Erfahrung hatte oder mir schlicht die Zeit fehlte.

Das "Storm Chaser" fällt ein wenig aus der Reihe. Für wen ist dieses Board gedacht?

Es ist eines der aufregendsten Projekte, an denen wir jemals gearbeitet haben. Ich wollte die Hydrodynamik vom Surfen auf ein Snowboard übertragen. Deshalb wurde der erste Prototyp auch bei einem Surfboard-Shaper gefertigt und nicht in der Werkstatt. Es war auch das erste Board, bei dem es mir egal war, wie es sich auf hartem Schnee fahren würde. Zudem ist es das teuerste Board, was die Herstellung betrifft und bei keiner anderen Firma hätte ich es durchsetzen können, aber ich wollte es unbedingt bauen. Als ich dann das erste Mal dieses Board fuhr, konnte ich nicht glauben, wie schnell es durch den Schnee glitt. Schneller als alle anderen Boards, die ich davor gefahren bin. Auch das Fahrgefühl ist ein völlig anderes. Am zehnten Test-Tag habe ich es auf harten Schnee mit genommen und war völlig überrascht, wie gut es auf frisch präparierten Pisten fährt. Ungelogen die besten Turns, die ich in meinem Leben gemacht habe, waren mit diesem Board! Um es kurz zu machen: Nimm das "Storm Chaser" in den Tiefschnee oder früh am Morgen auf frisch gewalzte Pisten mit und du wirst die beste Zeit deines Lebens haben.

>> Auf der nächste Seite nehmen wir das "Storm Chaser" genauer unter die Lupe und schauen, was zwischen den Belägen steckt.

Storm Chaser - Technologie

Das Storm Chaser vereint in sich Snow- und Surfboard-Technologien und ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Jeremy Jones und Surfboard-Shaper Chris Christenson. Chris hat das Rocker-Profil des Boards den Konturen seines am schnellsten gleitenden Surfboards nachempfunden. Das Ergebnis ist eine explosive Powder-Raktete, das unglaublichen Auftrieb in ein sehr kurzes Brett packt. Die extrem breite Taille maximiert den Auftrieb, während die Nose im Surf-Rocker-Shape noch leichter aus dem Schnee auftauchen lässt. Zusätzlich ist das Storm Chaser mit der Spoon 4.0 Nose und dem Speed Channel Tail ausgestattet für noch besseren Kantengriff und verbesserte Auftriebseigenschaften.

Christenson Surf Rocker & Magne-Traction

© Jones Snowboards © Jones Snowboards

Der Nose Rocker startet mitten in den vorderen Inserts, der Tail Rocker am Ende der hinteren Inserts. Das hat zur Folge, dass, sobald man Gewicht auf das Tail bringt, die Nose nach oben gezogen wird und aus dem Schnee auftaucht. Besonders an Tagen mit einer Menge Tiefschnee kommt diese Eigenschaft besonders zum Tragen.

Die Mellow Magne-Traction-Parts (siehe Bild) erhöhen den Kantengriff des Boards. Sie sind an mehreren Kontaktpunkten entlang der Kante platziert: "Magne-Traction ist ein wichtiges Feature für Rocker-Boards. Der Rocker verbessert die Gleiteigenschaften in verschiedensten Bedingungen, doch der verringerte Kontakt der Kanten mit dem Untergrund macht es schwieriger, wirklich in einem Turn einzulocken und auf der Kante auszufahren. Magne-Traction ist ein entscheidender Faktor, um das seitliche Wegrutschen von Rocker-Boards zu verhinder", so Jeremy.

Chris Christenson ist maßgeblich am Design des Storm Chasers beteiligt | © Jones Snowboards Chris Christenson ist maßgeblich am Design des Storm Chasers beteiligt | © Jones Snowboards

Storm Chaser - Specs

Längen142, 147, 157
AttitudePlayful, Ride-it-all
TerrainHard Pack, Powder
ShapeDirectional, Swallow Tail
Flex (1-10)7
BaseSintered 9900
Längeeffektive KantenlängeBreite (Nose)Breite (Mitte)Breite (Tail)Sidecut RadiusEmpfohlenes Fahrer-Gewicht
142101 cm31 cm26,5 cm29 cm6,6 m54 - 77 kg
147104 cm32,1 cm27,5 cm30,1 cm6,8 m59 - 82 kg
157114 cm32,7 cm27,5 cm30,7 cm7,1 m67 - 91 kg

 

>> Natürlich haben wir uns die Chance nicht entgehen lassen, das Storm Chaser selbst einmal auszuprobieren. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie es uns dabei ergangen ist.

Bevor wir euch erzählen, wie es uns beim Ausprobieren des Storm Chasers ergangen ist, eines vorne weg: Unsere fahrerischen Qualitäten reichen bei weitem nicht an die eines Pros heran, das ist klar. Und auch wenn wir einige Tage im Jahr auf dem Berg verbringen, können wir unsere Beurteilung nur aufgrund unserer fahrerischen Möglichkeiten fällen. Doch möglicherweise sind wir damit näher an euch dran, als wenn euch ein Pro erzählt, welche Eigenschaften er beim Fahren feststellen konnte. Dies ist also mehr ein Erfahrungs- als ein Testbericht.

Das Brainchild von Jones & Christensen | © Jones Snowboards Das Brainchild von Jones & Christensen | © Jones Snowboards

Nachdem das Storm Chaser ausgepackt vor uns steht, wird schnell klar: Jones und Christenson ist hier rein optisch ein echtes Meisterstück gelungen. Das Film-Topsheet bietet laut Hersteller die gleichen schockabsorbierenden Eigenschaften wie herkömmliche Topsheets, kann jedoch weitaus dünner produziert werden und ist somit ein wichtiger Faktor zur Gewichtsminimierung. Das geringe Gewicht ist neben der Optik und dem ungewöhnlichen Shape eines der ersten Dinge, die wir feststellen.

Als uns das Wetter vor wenigen Wochen noch einmal mit fettem Schneefall beglückte, schickten wir einen unserer Redakteure los, das Brett endlich in den dafür vorgesehen Bedingungen zu testen. Das Storm Chaser gibt es in drei Längen: 142, 147 und 157. Da unser Tester eher wie ein Wookie als ein Ewok gebaut ist (193 cm, 78 kg), haben wir uns die 157-Variante ausgesucht. Eine gute Wahl!

Mike LeBlanc ist ein großer Fan des Storm Chasers, wie er uns auf der Ispo verraten hat | © Jones Snowboards Mike LeBlanc ist ein großer Fan des Storm Chasers, wie er uns auf der Ispo verraten hat | © Jones Snowboards

Nach den ersten zwei Runs, die wir zur Eingewöhnung auf der Piste machen, verziehen wir uns in die Bäume. Schließlich wollen wir wissen, wie sich das Storm Chaser im Powder schlägt! Während wir die ersten Turns im tiefen, frischgefallenen Schnee zwischen den Bäumen ziehen, breitet sich ein fettes Grinsen im Gesicht unseres Testers aus: Mühelos gleitet er durch den Schnee und jagt mit kurzen, schnell Turns durch die Bäume (die auf unserem Run stellenweise ziemlich eng stehen). Ein kurzer Druck aufs Tail und schon staubt ein großer Spray auf. Das Swallow Tail kommt voll zum Einsatz und wer es liebt, Sprays an jede erdenkliche Stelle zu setzen, wird mit diesem Board glücklich. Wir versuchen, das Storm Chaser an seine Grenzen zu bringen, doch an diesem schneereichen Tag kommen wir eher an unsere. Wir versuchen uns an ein paar Drops und auch in der Luft fühlt sich das Board gut und stabil an, lediglich bei Switch-Landungen braucht es aufgrund des kurzen Tails ein wenig mehr Eingewöhnungszeit (was jedoch auch unseren Fähigkeiten liegt). Am Ende diesen Tages ist klar, dass sich dieses Board aus dem Hause Jones im Powder am wohlsten fühlt und schneller als jedes andere Brett, das wir bisher an den Füßen hatten, durch den Schnee schießt.

Jeremy vs. Groomers - wer gewinnt? Jeremy vs. Groomers - wer gewinnt?

Nach dem mehr als erfolgreichen Tag im Powder waren wir begierig, das Brett auf seine Carving-Qualitäten zu testen. Schließlich ist es Jeremys "Weapon of choice" für frischgewalzte Pisten. Also machen wir uns früh am Morgen auf, damit wir noch vor den großen Touristen-Massen auf der Piste sind. Und auch hier wird klar, dass uns nicht zuviel versprochen wurde. Das Brett ist schnell, sehr schnell sogar und wir sind überrascht, wie gut es trotz Rocker auf der Kante bleibt. Turn um Turn wagen wir uns tiefer in die Carves hinein, bis wir schließlich so weit es uns möglich ist, in der Kurve liegen. Es verlangt ein wenig Kraft und man darf sich durch das Flattern der Nose, was bei deren Länge unvermeidlich ist, nicht abschrecken lassen. Nach einer Stunde sind wir uns sicher: das Storm Chaser fühlt sich bei langgezogenen Carve-Turns genau so wohl wie im Tiefschnee.

Um ein stimmiges Gesamtbild zu bekommen, nemen wir das Brett schließlich auch auf zerfahrene Pisten, in holprige Runs im Backcountry und auf zwei Runs durch den Park mit. Wie angekündigt, haben wir hier unsere Schwierigkeiten, sind aber überrascht, wie gut es sich dennoch schlägt. Es kostet mehr Kraft, aber das Storm Chaser lässt sich auch bei diesen Bedingungen gut manövrieren. Nicht unwichtig, denn meistens muss man sich eben doch, um zu den guten Stellen im Gebiet zu kommen, durch die beschissenen kämpfen.

Im Powder ist das Storm Chaser unschlagbar Im Powder ist das Storm Chaser unschlagbar

Unser Fazit: Wenn ihr auf der Suche nach einem Powder-Spaß-Brett seid und auf schnelles Resort-Surfen und Carve-Turns steht, dann ist das Storm Chaser von Jones Snowboards das perfekte Brett für euch. Wir hatten unglaublich Spaß damit!


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